Ein Friedwald in Coswig?

Selten wurden zu einem Thema so viele (ganz überwiegend befürwortende) Leserbriefe an die SZ gerichtet. Gegen die vermeintlich kostengünstige Bestattung im Grünen, die den Erben noch dazu die Grabpflege erspart, ist auf den ersten Blick nichts einzuwenden. Fragen entstehen bei näherer Betrachtung.

Das Bestattungswesen ist gesetzliche Pflichtaufgabe der Kommunen. In Coswig – wie in ganz Sachsen – übernimmt die Kirche diese Aufgabe, wobei die Stadt in der Verantwortung bleibt. Tritt ein privates Unternehmen hinzu, würde die Stadt, die auch Liegezeiten gewährleisten muss, für das Handeln eines privaten Betreibers, bei dessen Insolvenz oder der Einstellung des Geschäftsbetriebs in der Haftung stehen. Kann sich Coswig dieses Risiko leisten? Kann ein Friedwald die Totenruhe über Jahrzehnte sicherstellen? Zu bedenken ist auch, dass Coswig über mehrere naturnahe Friedhöfe mit umfangreichem Baumbestand und unterschiedlichen Bestattungsmöglichkeiten sowie ausreichend freien Liegeplätzen verfügt. Wollen wir den Bestand unserer vorhandenen Friedhöfe gefährden und unsere über Jahrhunderte gewachsene Bestattungskultur verändern? Wie gelangen z.B. gehbehinderte Menschen in den Friedwald? Kann der Friedwald auch bei höchster Waldbrandstufe oder bei Eis und Schnee besucht werden? Ist das Grab des Angehörigen auch noch nach mehreren Jahren auffindbar? Ist Grabschmuck erlaubt?

Vieles ist zu bedenken, bevor man die Idee des Friedwaldes unterstützt.

Thoralf Lasch

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