“Anwohner empört wegen Neubaugebiet“

“Anwohner empört wegen Neubaugebiet“

Der Artikel in der SZ vom 17.08.18 bedarf der sachlichen Erläuterung: Nach Aussage der WGC ist das Ziel der geplanten Bebauung, Wohnraum für junge Familien zu schaffen, die die Wohnatmosphäre des Einfamilienhauses wünschen, aber selbst aus unterschiedlichen Gründen kein Haus bauen wollen oder können. Dieses Ziel fand Zustimmung bei den Stadträten und bedarf der Unterstützung. Das Grundstück liegt im Innenbereich der Stadt und erfüllt damit der übergeordneten städtebaulichen Forderung nach Innenverdichtung und ist damit bestens geeignet.

Wo liegen die Probleme, bzw. Forderungen der Nachbarn?

  1. Die Gebäudehöhe ist höher als die der vorhandenen Bebauung. Dadurch werden ihre Grundstücke unzumutbar verschattet. Die vorhandene Bebauung ist eingeschossig mit ausgebauten Steildach. WGC, als Bauherr, lehnt eine solche Lösung mit der Begründung ab, dass durch die Dachschrägen die lichten Raumhöhen und damit die Wohnflächen im Obergeschoss stark eingeschränkt werden und damit die Grundrisse nicht mehr heutigen Wohnanforderungen entsprechen. WGC schlägt eine Erhöhung um ca. ein halbes Geschoss vor. Die Dächer sollen als flachgeneigte Pultdächer ausgebildet werden. Zwei Gebäude, der Mittelteil eines Reihenhauses mit 6 Gebäuden im Inneren des Planungsgebietes, sollen als städtebaulicher Akzent 3-geschossig mit höhenversetztem Satteldach errichtet werden. Die Abstände der Gebäude zu Nachbargrenzen und damit die Verschattung von Nachbargrundstücken werden in der Sächsischen Bauordnung eindeutig geregelt. Je höher das Haus, desto größer der Abstand. Die Sächsische Bauordnung kommt vollumfänglich zur Anwendung. Abweichungen wurden nicht erteilt. Hier gilt eindeutig der Gleichheitsgrundsatz. Den Forderungen der Nachbarn kann der Stadtrat nicht folgen, weil dies ein Verstoß gegen diesen Grundsatz ist. Die Gestaltung der Bebauung wird unterschiedlich bewertet. Die Frage ist, muss eine Siedlung von heute so aussehen, wie eine Siedlung die 1930 errichtet wurde? Die Jungen sehen es mit Recht anders als die Alten. Am Ende ist es eine Geschmacksfrage. Somit bleibt die Entscheidung beim Bauherrn.
  2. Durch die Bebauung wird die Verkehrsbelastung im Gebiet erhöht! Dieser Sachverhalt ist unstrittig richtig. Aber dieser Sachverhalt ist nicht ein spezifisches Problem der Siedlerstraße oder dieses Wohngebietes, sondern es ist ein allgemeines Problem und trifft von der Anliegerstraße bis zur Autobahn auf fast alle Verkehrsflächen zu und im besonderen Maße auf Verkehrsflächen in vorhandenen innerstädtischen Strukturen. Nimmt man das steigende Verkehrsaufkommen als Entscheidungsgrundlage, kann man im innerstädtischen Bereich überhaupt nicht mehr bauen. Jede zusätzliche Bebauung bringt Verkehr. Die Lösung kann nur im verkehrsorganisatorischen Bereich liegen, verbunden mit einem grundsätzlichen Umdenken der Bürger in ihrer Mobilität. Bei der Festlegung der Anzahl der Stellplätze wurde die obere Grenze der Forderung, 2 Stellplätze pro Wohnhaus, festgelegt. Damit soll vermieden werden, dass zukünftig auf den schmalen Anliegerstraßen geparkt wird.
  3. Die vorgesehenen Kamine werden bei Betrieb zu Geruchs- und Rauchbelästigungen der Nachbar führen! Diese Bedenken wurden auch von einigen Stadträten geäußert. Bedenken bedeuten aber nicht zwingend Ablehnung, sondern bedürfen einer intensiven Prüfung und Beurteilung von Fachleuten. Dies ist erfolgt. Der zuständige Bezirksschornsteinfegermeister hat die Sachverhalte geprüft und festgestellt, dass alle gesetzlichen Regelungen bei der Planung eingehalten werden. Einer entsprechenden Errichtung steht nichts entgegen. Somit gibt es keine Grundlage, die Errichtung der Kaminschornsteine abzulehnen. Auch in diesem Fall gilt der Gleichheitsgrundsatz. Die Stadträte können der WGC nicht verbieten, was andere im Gebiet bereits realisiert haben. Jetzt obliegt es dem Eigentümer und dem Bezirksschornsteinfegermeister, ein gesetzeskonformes Betreiben der Kamine durchzusetzen und zu kontrollieren. Im Übrigen sehe ich die unmittelbar benachbarte Wohnung der geplanten Reihenhausbebauung am meisten gefährdet. Deswegen muss es der WGC eigenes Interesse sein, ein fachgerechtes Betreiben der Kamine durchzusetzen, um Beeinträchtigungen der Wohnungen durch Rauchabgase zu verhindern. Das Betreiben eines Kamins im Winter oder Grillen auf der Terrasse im Sommer, wer eng zusammen wohnt, muss Rücksicht auf die anderen nehmen, dies können die Stadträte nicht bestimmen, das müssen die Mieter selbst leisten.

Es sei allen Betroffenen versichert, dass umfangreiche Diskussionen in einer Vielzahl von nichtöffentlichen Sitzungen zum Thema stattgefunden haben. Der Eindruck täuscht, wenn im Stadtrat relativ zügig und mit wenig Diskussion Entscheidungen getroffen werden. Das Für und Wider wird in aufwendigen Diskussionen abgewogen, um möglichst emotionslos, auf sachlicher Grundlage, einen gemeinschaftlichen Kompromiss zu finden, auch wenn den Stadträten bewusst ist, dass nicht alle Wünsche der Bürger berücksichtig werden können.

Christian Buck

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