Coswig – Gartenstadt?

Die Kleingärten und der Flächennutzungsplan

Am 17.April traf der Coswiger Stadtrat für viele Bürger und viele Familien eine schmerzliche Entscheidung. Die Kleingartenflächen zwischen Moritzburger Straße und der Bahnlinie sollen im Zuge der Erarbeitung des neuen Flächennutzungsplanes in Wohnbauland umgewidmet werden. Die Hälfte der Stadträte (13 von 26), davon die gesamte CDU-Fraktion, folgte dem Wunsche des Grundstückseigentümers – Evangelische Kirchgemeinde Coswig – nach der Umwandlung in Bauland. Mit der Stimme des Oberbürgermeisters wurde die Umwandlung für die nächste Planungsphase des Flächennutzungsplanes beschlossen.

Warum waren die CBL-Mitglieder gegen diese Umwidmung?

Es gibt verschiedene Gründe:

Soziale Gründe

Die ca. 100 Kleingärten sind allesamt verpachtet und in einem gepflegten und guten Zustand. Ältere Pächter nutzen die Gärten schon seit Jahrzehnten. Junge Familien mit Kindern nutzen die Gärten als Freizeitparadies. So sieht man Gärten mit Sandkasten, Trampolin und Pool. In den weit über 100 Stellungnahmen der Pächter wird immer wieder die Nähe zum Wohngebiet hervorgehoben, die besonders die Familien schätzen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Pächter mit Plakaten an der Stadtratssitzung teilnahmen und ihren Protest zum Ausdruck brachten.

Natürlich können die Befürworter der Umwidmung argumentieren, dass man aus heutiger Sicht an dieser Stelle keine Kleingartenanlage ansiedeln würde! Wir entgegnen aber: Die Situation ist historisch gewachsen. Die Flächen werden vollumfänglich sinnvoll genutzt und sind für das Leben in der Stadt notwendig und stellen nicht nur für die Pächter eine Bereicherung dar. Diese Situation soll man nicht zur Gewinnmaximierung zerstören.

Lärmschutzgründe

In unmittelbarer Nähe befindet sich der erhöhte Bahndamm der „Berliner Strecke“ der Deutschen Bahn. Bedenken bestehen hinsichtlich der Lärmbelastung und der damit verbundenen Eignung der Flächen als Wohngrundstücke. Geplante Lärmschutzmaßnahmen sind nicht bekannt.

Ökologische  Gründe

Immer offensichtlicher wird es, wie wichtig Kleingärten für das ökologische Gleichgewicht sind. Andere Städte planen „Citygärten“ in Innenstädten, besonders dort, wo hohe Versieglungsflächen bestehen. Dach- und Fassadenbegrünungen werden immer notwendiger, um dem Klimawandel Rechnung zu tragen. Innerstädtische Grünflächen sind ein wichtiger Bestandteil für das Stadtklima. Keiner kommt auf den Gedanken die Fläche des Bürgerparks zu bebauen, um dem Grundsatz der innerstädtischen Verdichtung zu folgen. Hier scheinen viele Stadträte nicht die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Ökonomische Gründe

Ersatzgärten kann die Stadt zurzeit nicht anbieten. Die geplanten Flächen für Kleingärten im Flächennutzungsplan sind noch nicht einmal im Besitz der Stadt – Erschließung, Finanzierung alles offen und in weiter Ferne. Keine verbindlichen Aussagen zu Entschädigung der Pächter. Hier werden Pächtervermögen in Höhe von über 1 Million Euro vernichtet. (ca. 100 Kleingärten im Werte von mindestens 10 T€/Garten) und dies wird begründet mit der dogmatischen Auslegung des Planungsgrundsatzes: „Verdichtung der Innenstadt“. Die Umwandlung anderer brachliegender, ungenutzter Flächen, wie zum Beispiel angrenzende Flächen von Teilbereichen des Steinbacher Weges werden abgelehnt, weil die Stadt nicht bereit ist, die bereits gewidmete Straße auszubauen. „Das könnte ja 1 Million Euro kosten“, so der Oberbürgermeister in der Stadtratssitzung. Flächen in bester Wohnlage, gut geschützt vor Bahnlärm durch die Aufschüttungen der ehemaligen Halde und einem breiten Waldstreifen. 12 Eigentümer hatten den Antrag auf Umwidmung ihre Grundstücke gestellt. Die Nähe zur Straßenbahn und zum Bildungszentrum West sprechen dafür, doch die Stadtverwaltung will einer Ausdehnung des sogenannten „Innenbereiches“ nicht zustimmen und führt neben den Baukosten für den Ausbau der Straße naturschutzrechtliche Bedenken an, denen man mit etwas gutem Willen Abhilfe schaffen könnte. Die Diskussion im Stadtrat gipfelt in dem widersinnigen Vorschlag eines CDU-Stadtrates, auf diesen privaten  Flächen Kleingärten zu errichten. Die CDU will somit in lärmbelasteter Wohnlage Kleingärten vernichten, um in guter Wohnlage Kleingärten zu errichten. Daran sieht man, wohin Dogmatismus führt, nie zu etwas Gutem!

Grund zur Hoffnung

Eine Hoffnung bleibt für die Pächter der Kleingartenanlage Moritzburger Straße. Der neue Flächennutzungsplan wird endgültig erst durch den neuen Stadtrat beschlossen. Lassen wir uns von der zukünftigen Sitzverteilung im Stadtrat überraschen. Es liegt in der Hand der Wähler! Alle anderen Probleme sind lösbar!

Christian Buck

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